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Thüringer Rettungshundestaffeln suchen Nachwuchs

veröffentlicht am 30. Juli, 2013

Erfurt/Weimar. Hunde mit ihren außerordentlich guten Riechorganen eignen sich besonders zur Vermisstensuche.

Zehn Rettungshundestaffeln gibt es derzeit in Thüringen. Doch: Die Staffeln haben Nachwuchssorgen.
Noch hüpfen die beiden jungen Hunde unbekümmert über den Trainingsplatz in Weimar. Sie balgen sich und schauen erwartungsvoll ihre Besitzerin Doreen Dernstädt an. Eine getrocknete Apfelscheibe, die Dernstädt auf den Boden wirft, verschwindet blitzschnell im Maul von Ronja. Bald werden sie und ihr Schwesterchen auf ihren ersten echten Einsatz als Rettungshund geschickt. Leben retten, Vermisste suchen: Eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe für Hund und Mensch. Dabei haben die Staffeln in Thüringen große Probleme, geeigneten Nachwuchs zu finden.


Rund zwei Jahre Ausbildung und Training bräuchten die Tiere und ihre Besitzer, um fit zu sein für die erste Suche, sagt Franziska Röhle. Die Polizistin leitet die Rettungshundestaffel Mittelthüringen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Es gehe aber nicht so sehr um die Hunde. Vielmehr müssten Herrchen oder Frauchen viel Zeit mitbringen. Bis zu dreimal die Woche Training, dann am Wochenende Übungen und schließlich noch die Einsätze. "Das schreckt viele ab", erzählt sie. Mehrere Monate lang war die Staffel im vergangenen Jahr nicht einsatzbereit. Es fehlten die Mitglieder.
Jetzt kann es wieder losgehen. Ronja wäre ein Kandidat für einen guten Suchhund. "Das ist ein typischer Nord-Erfurter Ghetto-Mix", sagt Doreen Dernstädt. Erfurt-Nord, das heißt auch: Plattenbauten, Armut, Arbeitslosigkeit. Welche Rasse genau bei Ronja drin stecke, wisse sie auch nicht. "Etwas von Dackel und Rottweiler vielleicht?" Sieben Monate alt ist die Promenadenmischung. Sie trainiert erst seit einigen Wochen bei der ASB-Rettungshundestaffel. Röhle sprach die frischgebackene Hundemutter Dernstädt und ihre beiden Kinder Antonia und William an, ob sie nicht Lust hätten, mit den Tieren zu arbeiten und eine Ausbildung anzufangen. Wenn schon, dann müsse es aber etwas Wertvolles sein, erzählt Dernstädt von ihrer Motivation. So entschied sie sich für die Rettungshundeausbildung.


Ihr Sohn William ist erst zwölf Jahre alt. Noch kann er nicht so souverän mit der ungestümen Ronja umgehen und übernimmt deshalb gerne mal die Rolle des "Vermissten". Dann muss er sich in einem Waldstück verstecken. Die Hunde aus dem Übungsteam müssen ihn dann suchen.
"Das ist sehr anstrengend für die Tiere", sagt Röhle. Jeder Rettungshund habe deshalb auch ein nur 100 mal 500 Meter großes Suchgebiet. Der Hundeführer durchquere es in gerader Richtung, der Hund suche dann in Schlangenlinien rechts und links davon das Gestrüpp ab - bis William gefunden ist.
Die Vierbeiner sollten nicht zu groß sein, sagt Hundetrainerin Röhle. "Stellen Sie sich vor, die Oma hat sich im Wald verlaufen, ein großer Suchhund findet sie, springt freudig an ihr hoch und schleckt sie ab. Das geht nicht." Da seien kleinere Hunde besser geeignet.
Nicht so entscheidend ist die Körpergröße bei der Suche in Trümmern oder für die sogenannten Mantrailer. Letztere nehmen den Geruch des Gesuchten auf - beispielsweise durch ein T-Shirt oder einen Schal - und setzen sich auf die Fährte des Vermissten. Das klassische Bild vom Bernhardiner mit dem Schnapsfläschchen sei aber völlig überholt, sagt Röhle. "Bernhardiner waren früher viel kleiner und wogen vielleicht die Hälfte", berichtet sie. Die heutige Rasse habe für eine Suche nicht mehr genügend Ausdauer.


Zumeist werden die ehrenamtlichen Teams von der Polizei alarmiert - pro Einsatz gleich mehrere Staffeln. Wie die Suchhunde dann eingesetzt werden, entscheiden die Teams vor Ort, sagt der Ausbildungsleiter der Feuerwehreinheit Rettungshunde/Ortungstechnik Thüringen (RHOT), Stefan Heine. 50 Einsätze gab es demnach im vergangenen Jahr, die meisten davon in Mittel- und Ostthüringen. Derzeit seien 55 Flächensuchhunde einsatzbereit, hinzu kommen noch 15 Trümmerhunde und zwei Mantrailer.
Dabei sei es gar nicht so entscheidend, ob die gesuchte Person auch wirklich gefunden werde, sagt Heine. Oft seien die Vermissten bereits weitergelaufen oder in einen Zug gestiegen. Das abgesuchte Gebiet könne dann aber zumindest ausgeschlossen werden.
Viele Interessierte seien am Anfang ganz euphorisch, das lasse aber dann schnell nach. "Das ist ein sehr aufopferungsvolles Hobby", räumt Heine ein. Doreen Dernstädt und ihre Kinder wollen aber in jedem Fall dabei bleiben. Auch wenn bis zum ersten Einsatz noch viel Zeit vergeht - schließlich könnte am Ende die Lebensrettung für einen vermissten Menschen als Belohnung warten.

Artikel der TLZ / 28.07.13 dpa

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